Weißbauchpapageien

Der Weißbauchpapagei: ein tolles aber anspruchsvolles Haustier

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Papageien sind beeindruckende Haustiere. Sie faszinieren durch ihr edles Federkleid in bunten Farben und ihre Sprachfähigkeit. Doch nicht jeder Papagei lernt das sprechen. Darüber hinaus benötigen die Tiere viel Aufmerksamkeit und eine sorgfältige Pflege. Bei artgerechter Haltung können einige Arten den Halter überleben, weswegen auch an diesen Aspekt gedacht werden sollte, bevor das gefiederte Lebewesen daheim einzieht. Beachtenswert ist zudem der große Platzbedarf der Tiere. Mit einer durchschnittlichen Körperlänge von circa 24 cm gehört der Weißbauchpapagei zwar eher zu den mittelgroßen Papageien, aber dennoch darf er nicht in einem kleinen Käfig gehalten werden. Hier erfahren Sie alle wichtigen Fakten, die Sie wissen müssen, bevor Sie sich solch einen prachtvollen und sensiblen Vogel kaufen.

Kurzer Steckbrief zu Weißbauchpapageien

Weißbauchpapageien sind eine Gattung von Papageien, die ausschließlich in freier Wildbahn im Amazonasbecken vorkommen. Aus diesem Grund werden sie zu den Neuweltpapageien gezählt. Sie sind im Washingtoner Artenschutzabkommen aufgeführt und gelten somit zu den schutzbedürftigen Tieren. Die Weißbauchpapageien – auch Pionites genannt – verfügen über einen kurzen, eckigen Schwanz sowie einen recht kleinen Schnabel. Sie sehen dadurch deutlich anders als die berühmten Aras aus. Ein klassisches Kennzeichnen von ihnen ist zudem der aufrechte Sitz.

Es greift die Nachweispflicht


Wie bereits erwähnt stehen die Weißbauchpapageien auf der Liste des Washingtoner Artenschutzabkommens. Laut deutschem Naturschutzgesetz unterliegen sie demnach einem strikten Artenschutz. Dies bedeutet, dass Sie diese Tiere nur halten dürfen, wenn Sie über deren Haltung und Pflege hinreichende Kenntnisse verfügen. Zudem müssen Sie eine artgerechte Unterbringung der Tiere ermöglichen. Der Besitz der Papageien ist nur mit folgenden Nachweisen möglich:

  • Tier ist rechtmäßig in die Europäische Union eingeführt worden.
  • Tier wurde rechtmäßig gezüchtet oder rechtmäßig der Natur entnommen.
  • Der Vogel war vor Unterschutzstellung in Erstbesitz.

Diese Richtlinien und Regeln mögen sich sehr streng anhören und sie sind es auch, aber zum Wohle der Tiere sind sie erforderlich und wünschenswert. Als Besitzer von solchen Papageien müssen Sie auf Nachfrage der Naturschutzbehörden beweisen können, dass diese Kriterien erfüllt werden. Eine Kaufbestätigung aus einem renommierten Zoofachhandel ist unzureichend. Eine offizielle Einfuhrgenehmigung kann beispielsweise als Dokument herhalten. Der Verkäufer weiß um die Wichtigkeit dieser Dokumente, weswegen er sie in der Regel für Käufer bereithält.

Weißbauchpapageien: munter und pflegeintensiv


Wer ein echter Papageiennarr ist, der wird an den Weißbauchpapageien seine wahre Freude haben – und dies über viele Jahrzehnte hinweg. Sie sind sehr quirlig und können nicht nur schmusen, sondern zudem dickköpfig sowie eigenwillig sein. Sie beanspruchen viel Platz und wollen mitunter beschäftigt werden. Die Voliere muss jeden Tag gereinigt werden, denn die hübschen Tiere hinterlassen neben Kot auch Essensreste. Teilweise herrscht ein kleines Chaos im und vor dem Käfig. Regelmäßig und häufig zu ungünstigen Tageszeiten sorgen sie für musikalischen Krach. Ein Pfeifkonzert kann die TV-Show ebenso begleiten wie das Telefonat mit Freunden. Langschläfer werden nicht selten mit den aufgeregten Morgengeräuschen der Vögel geweckt. Wer mit diesen Verhaltensweisen gut leben kann, hat mit den Weißbauchpapageien gelehrige, treue und schöne Haustiere gefunden. Die positive Energie der Tiere überträgt sich auf ihre Besitzer, weswegen sie eine wahre Bereicherung im Heim sein können.

Einzelhaltung ist keine Option


Grundsätzlich sollten Papageien nie einzeln gehalten werden. Es sind Tiere, die in freier Natur im Schwarm leben. Wer hat in seinem Urlaub in südlichen Gefilden nicht schon Schwärme an Papageien bewundert, die gemeinsam über den Himmel ziehen oder im Baum sitzen. Aus diesem Grund sollten ebenfalls die Weißbauchpapageien unter keinen Umständen allein gehalten werden. Zwar haben sie als Bezugsperson auch ihren Besitzer, aber das reicht nicht aus. Sie benötigen noch mindestens einen Artgenossen. Ansonsten können die Tiere vereinsamen. Ihre Einsamkeit führt zu Verhaltensstörungen, die sogar in Krankheiten münden können. Ein bundeseinheitliches Tierschutzgesetz nimmt auf diese Gefahr Bezug und hat 2005 ein Verbot erlassen: Papageien dürfen nicht einzeln gehalten werden. Wichtig hierbei ist, dass nur Vögel gemeinsam gehalten werden, die hinsichtlich ihrer Lebensgewohnheiten miteinander harmonieren. Am besten ist es daher, wenn Sie sich zwei oder gar mehr Weißbauchpapageien anschaffen. Selbstverständlich geht dies mit einem erhöhten Kosten- und Zeitaufwand einher.

Tipps und Hinweise zu Käfig und Voliere


Weißbauchpapageien beanspruchen viel Platz. Der Käfig sollte in einer Höhe von mindestens 80 cm aufgestellt werden. Er braucht einen ruhigen und hellen Ort ohne Zugluft. Wer sich für eine Außenvoliere entscheidet, muss die kalten Winter bedenken. Die Tiere stammen aus Regionen, in denen es stets warm ist. Aus diesem Grund können sie nicht draußen überwintern. In den kalten Monaten ist daher eine Heizung unerlässlich, an der sich die Vögel selbstverständlich nicht verbrennen können. Hinsichtlich der Größe des Käfigs oder der Voliere gibt es nur eine Regel: Sie ist niemals groß genug. Damit es den Tieren gut geht, sollten
L X B X H um die 2 x 1 x 2 Meter eingeplant werden. In der Voliere muss ein Schutzraum sein, den die Papageien zum Schutz aufsuchen können. Sollte in den Käfig nicht hinreichend Sonnenlicht fallen, kann mit einer Tageslichtlampe ausgeholfen werden. Ihr Licht muss dem tatsächlichen Lichtspektrum des Tageslichts entsprechen. Weißbauchpapageien kommen aus Regionen, in denen rund zehn Stunden am Tag die Sonne scheint. Diese Tageslichtdosis sollten sie auch in unseren Breitengraden erhalten. Der Tages-Nacht-Rhythmus ist für die Vögel sehr wichtig. Gleiches zählt für die Temperatur. Eingerichtet wird die Voliere oder der Käfig mit vielen Sitzstangen, für die sich echte Baumzweige gut eignen. Hin und wieder müssen sie ausgetauscht werden. Die Vögel knabbern gern an dem Holz und haben so eine gesunde Form der Beschäftigung gefunden.

Kleine Käfig-Checkliste für Weißbauchpapageien:


  • Größe: Vögel müssen herumklettern und mit den Flügeln schlagen können, ohne irgendwo anzustoßen. Auch ein kurzer Flug muss möglich sein. Jeder Vogel in der Voliere oder im Käfig muss sich allein zurückziehen können.
  • Ort: Der Standort muss hell sein, aber darf sich nicht komplett im direkten Sonnenlicht befinden. Eine Käfigseite muss zu einer Wand sein, da diese dem Tier Sicherheit bietet. Zigarettenrauch, Zugluft und Straßenabgase sollten von der Papageienbehausung ferngehalten werden. Zur Nachtzeit sollte es dunkel sein, damit die Tiere einen Tag-Nacht-Rhythmus entwickeln und schlafen können. Ein Kellerabteil ist für die Vögel denkbar ungeeignet, da sie tagsüber mitten am Geschehen teilhaben möchten.
  • Ausstattung: Spielzeug, unterschiedliche dicke Naturäste und Näpfe für Wasser, Obst sowie Trockenfutter müssen vorhanden sein. Trotzdem muss noch hinreichend Platz für das Herumkraxeln, Fliegen und Laufen der Tiere sein. Die Äste müssen so platziert werden, dass die Tiere von ihnen nicht in die Näpfe koten. Als Einstreu sind Buchenspäne und Vogelsand optimal.

Zur Ernährung der Weißbauchpapageien


Die Ernährung der Weißbauchpapageien ist anspruchsvoll. Das Futter muss ihnen täglich gegeben werden und sollte eine Kombination aus frisch sowie trocken sein. Bedenken Sie, dass der Vitaminbedarf der schlauen Vögel sehr hoch ist. Obst und Gemüse sollten daher auf dem Speiseplan stehen – selbstverständlich ungespritzt. Entkernte Äpfel eignen sich ebenso gut wie Maiskolben und Bananen. Am besten variieren Sie ein wenig damit. Einige Papageien neigen zu Nierenproblemen, weswegen für die Zitrusfrüchte wie Grapefruits, Mandarinen, Orangen usw. ein Tabu ist. Ein grundsätzliches Tabu besteht für unreife Holunderbeeren, Kirschkerne, Apfelkerne und Avocados, da sie für die Tiere giftig sind und ihren Tod bewirken können. Ergänzend zu dem Frischfutter gibt es für die Weißbauchpapageien Papageienfutter im Fachhandel. Auch dieses sollte den Vögeln gegeben werden.

Wie pflege ich meinen Papagei?


Ein Haustier muss gepflegt werden. Bei Weißbauchpapageien bedeutet dies, dass der Halter ihm ein kleines Wasserbecken in den Käfig oder in die Voliere stellt. So können die hübschen Vögel bei Bedarf ein Bad nehmen. Ist kein Becken vorhanden, ist es wichtig, die Weißbauchpapageien zumindest einmal die Woche mit ein wenig Wasser zu besprühen. Ein weiterer Punkt zum Thema Pflege betrifft die Krallen. Normalerweise nutzen sie sich ab, weswegen ein Schneiden nicht erforderlich ist. Doch bei Käfighaltung wachsen sie gelegentlich sehr schnell nach, was sich in der hohen Nährstoffmenge im Futter begründet. Ein versierter Halter kann die Krallen mit einer Krallenschere selbst kürzen. Alternativ dazu übernimmt der Tierarzt diese Aufgabe.

Wer erledigt die Tierpflege bei Urlaub oder Krankheit?


Jeder, der ein Haustier besitzt, benötigt eine Person, die bei Krankheit oder Urlaub das Tier pflegen kann. Bei Weißbauchpapageien ist dies nicht anders. Im Unterschied zu Hund oder Katze können sie nur schwer mit ins Hotel genommen werden. Vor der Anschaffung sollte daher überlegt werden, was mit ihnen in Zeiten der Abwesenheit passiert. Am besten ist es, wenn die Weißbauchpapageien in ihrer gewohnten Umgebung bleiben dürfen. Es sind Gewohnheitstiere, die Änderungen nicht mögen. Allerdings ist dafür die Voraussetzung, dass die Tiere jeden Tag von der Urlaubsvertretung besucht und gefüttert werden. Sollte dies nicht möglich sein, können sie im Käfig in einen anderen Haushalt transportiert werden. Die Bewohner dort sollten eingehend darüber informiert werden, wie sie die Tiere pflegen und füttern müssen. So überleben sie schadenfrei die Urlaubszeit.

Auch Papageien können krank werden


Wie wir Menschen können natürlich ebenfalls die Weißbauchpapageien krank werden. Sie können uns jedoch nur durch ihre Körpersprache zeigen, dass sie sich unwohl fühlen. Klassische Krankheitsanzeichen sind:

  • Rückzug vom Partnervogel oder vom Schwarm
  • Gefieder ist gesträubt
  • Unruhe
  • Apathie
  • Augen sind fast immer geschlossen
  • breitbeinige Sitzposition
  • wippt mit dem Schwanz beim Atmen
  • Stimmverlust
  • Federrupfen

Ein weiterer Hinweis auf ein Missbefinden des Vogels ist die Kotkonsistenz. Es sollte ein recht festes Häufchen mit grün-weißer Färbung sein. Sobald es trocken ist, ist es eher schwarz-weiß. Temporäre Farbabweichungen sind selbstverständlich aufgrund von bestimmten Futtersorten möglich. Ein anhaltender Durchfall, der gar verklebtes Gefieder aufweist, sollte dem Besitzer zu denken geben. Gleiches zählt für sehr große oder harte Kotklumpen. Ist der Kot ausschließlich grün, frisst das Tier zu wenig oder ist unterversorgt. Bei Krankheitsverdacht ist es wichtig, das Tier umgehend zum Tierarzt zu bringen. Besteht Durchfall, droht eine Dehydrierung und damit der Tod des Vogels.

Vogelapotheke ist ein Muss


Um im Notfall rasch reagieren zu können, ist ein Erste-Hilfe-Kasten für Ihren Vogel unerlässlich. Dieser setzt sich zusammen aus:

  • Traubenzucker
  • Fütterungsspritze ohne die Nadel
  • Mullkompressen, Verbandswatte und Tupfer für offene Verletzungen
  • Quarantänekäfig
  • Transportbox
  • großer Kescher
  • Kontaktdaten des Tierarztes mit Vogelwissen

Erst nachdenken, dann kaufen


Ob Grünzügelpapagei oder Rostkappenpapagei: Weißbauchpapageien benötigen einen umsichtigen und versierten Halter. Die Tiere sind kosten- und pflegeintensiv, was eine Anschaffung erschweren kann. Ihr schönes Gefieder und ihre Intelligenz mögen zu einem Kauf verführen, aber dieser sollte gut überlegt sein. Ist alles gut durchdacht und geplant worden, kann der Vogelkauf erfolgen. Schon bald ist der Haushalt durch einen smarten Mitbewohner reicher, der für viel Unterhaltung und Beschäftigung sorgt.



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