Graupapageien

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Graupapageien - die anspruchsvollen Intelligenzbestien


Mitte des 15. Jahrhunderts sollen portugiesische Seefahrer die ersten Graupapageien nach Europa gebracht haben. Bis heute gehören sie zu den exotischen und besonders beliebten Haustieren, sind aber anspruchsvoll in der Haltung. Sie gelten als besonders sensibel und gehören zu den intelligentesten Lebewesen überhaupt. Wissenschaftler setzen die Intelligenz eines Graupapageis mit der eines 

vierjährigen Menschenkindes gleich. Da sie nicht selten bis 80 Jahre alt werden, muss auch das eigene Alter vor der Anschaffung berücksichtigt und besondere Vorkehrungen getroffen werden. Nur ein glücklicher Papagei ist auch ein angenehmes Familienmitglied, daher sollten die eigenen Möglichkeiten der Papageienhaltung unbedingt gut durchdacht werden.

Der natürliche Lebensraum


Es gibt zwei Unterarten des Graupapageis: Den Kongo-Graupapagei und den Timneh-Graupapagei. Kongo-Graupapageien besitzen neben ihrem hellgrauen Gefieder einen schwarzen Schnabel und leuchtend rote Schwanzfedern. Sie gelten mit einer Größe von bis zu 35 cm und einem Gewicht von 450 g als größte Papageien Afrikas. Ihr Hauptverbreitungsgebiet liegt in Gabun, der Republik Kongo sowie der demokratischen Republik Kongo. Auch Nigeria, Kamerun, die zentralafrikanische Republik sowie Nordwesten Kenias und West-Tansania sind besiedelt. Einige wenige Populationen befinden sich zudem in Süd-Ghana und im Südosten von Côte d'Ivoire.

Der Timneh-Graupapagei ist etwas kleiner, und seine Schwanzfedern sind im Gegensatz zum Kongo-Graupapagei eher wein- bis dunkelrot. Auch sein graues Gefieder ist etwas dunkler gefärbt und sein Schnabel ist nicht durchgehend schwarz, sondern geht auf der Oberseite ins fleischfarbene. Er kommt ausschließlich in Sierra Leone, Liberia, im Südwesten von Côte d'Ivoire und im Südosten von Guinea vor.

Beide Arten leben im Bereich tropischer Regenwälder und deren angrenzenden Mangroven und Feuchtsavannengebieten. Häufig wird auch nahegelegenes Kulturland, wie Getreidefelder, angeflogen. Menschliche Siedlungen meiden die scheuen Graupapageienschwärme in der Regel. Sie ernähren sich ausschließlich pflanzlich und bevorzugen Nüsse, Samen, Früchte, Knospen und Blüten.
Ihre Hauptnahrungsquelle ist die Ölpalme, an deren Verbreitungsgebiet sie gebunden zu sein scheinen. Sie besitzen eine Art Kletterkralle und sind hervorragend an das Leben in hohen Baumwipfeln angepasst. Ein Schwarm kann außerhalb der Brutsaison mehrere tausend Tiere betragen. Ein brütendes Pärchen, welches ein Leben lang zusammenbleibt, zieht sich kurzfristig aus der Gemeinschaft zurück. Wie fast alle Papageienarten, brütet auch der Graupapagei in Höhlen. Meist werden Baumhöhlen in toten Bäumen bevorzugt. Eine Henne legt zwischen 2 und 5 Eier. Bis die Küken flügge werden, vergehen etwa drei Monate. In dieser Zeit versorgt der Hahn die brütende Henne und verteidigt das Nest. Zu ihren natürlichen Feinden zählen Greifvögel wie Geier und Adler. Affen und Schlangen räubern hin und wieder ihre Nester aus. Die größte Gefahr für wilde Populationen ist jedoch der Mensch. Durch den grausamen Handel mit Wildvögeln wurden ganze Wildpopulationen beträchtlich dezimiert.

Wo können Graupapageien adoptiert werden?


Wer sich den Papagei in Haus holen möchte, sollte unbedingt genauestens auf die Herkunft der Tiere achten. Wildfänge sind in Deutschland strengstens verboten. Vögel werden aus ihrem natürlichen Lebensraum gerissen und unter schlimmsten und qualvollsten Bedingungen um die gesamte Welt geschmuggelt. Man geht von einer Sterberate von 80 Prozent aus. Meist werden die Vögel in winzige Kartons gestopft und ersticken qualvoll. Von solchen Importen muss unbedingt Abstand genommen werden! Auch Mitleidskäufe unterstützen den Handel.

Zoohandlungen sind ebenfalls keine gute Anlaufstelle für die Adoption eines neuen Mitbewohners. Zoohandlungen beziehen ihre Tiere in der Regel aus Massennachzuchten. Weder werden vernünftige Zuchtkontrollen durchgeführt, noch werden die besonders intelligenten Papageienvögel sozialisiert und an den Menschen gewöhnt. Auch werden Vögel an jeden x-beliebigen abgegeben. Nachgefragt, wohin der Vogel kommt und wie die Haltung aussieht, wird in den seltensten Fällen. Das alles ist jedoch Voraussetzung für eine vernünftige Vogelzucht.

Eine bessere Alternative sind verantwortungsvolle, lizenzierte Privatzüchter, die ihre Vögel in riesigen Volieren mit vielen Flugmöglichkeiten halten und eine artgerechte Haltung (soweit das in Gefangenschaft eben möglich ist) bevorzugen. Diese Züchter züchten nicht für die Masse, sondern aus Liebhaberei und sorgen für eine bestmögliche Sozialisierung ihrer Tiere. Es sollten niemals Handaufzuchten, also Jungvögel, die vom Züchter absichtlich von den Elternvögeln getrennt und von Menschenhand aufgezogen wurden, genommen werden. Hier wird geglaubt, die Vögel würden zahmer werden und besser sprechen lernen, was sich jedoch als falsch herausgestellt hat. Solche Vögel entwickeln schwere Persönlichkeitsstörungen. Jungvögel sollten bei der Abgabe bereits selbstständig fressen und nicht mehr auf die Elternvögel angewiesen sein. Auch sollte erst dann gezüchtet werden, wenn bereits Nachfrage durch vernünftige Kundschaft besteht.

Die beste und einzig sinnvolle Möglichkeit, einen Papagei zu adoptieren, ist die Übernahme von Vögeln aus dem Tierschutz. Ob man hochintelligente Vögel, die naturgemäß in riesigen Schwärmen leben und tagtäglich viele Kilometer fliegen, ihrer Freiheit berauben sollte (auch in Nachzuchten), ist mehr als fraglich. Besteht dennoch der Wunsch, das eigene Leben mit Vögeln zu teilen, sind Vögel aus schlechter Haltung zu bevorzugen. Große Papageien haben sich zu einer Art Wegwerfhaustier entwickelt, da die meisten Käufer aufgrund ihrer extrem hohen Ansprüche sehr schnell überfordert sind. Diese armen Lebewesen findet man zu Hauf in Tierheimen und der Papageien-Nothilfe. Ihnen ein bestmögliches zu Hause zu schenken und viel Geduld und Verständnis entgegen zu bringen, lohnt sich doppelt und dreifach. Mit anzusehen, wie ein Tier von einem geschunden Häufchen Elend durch den eigenen Einsatz gesund wird und seine Lebensfreude wiederentdeckt, ist unbezahlbar.

Papageienhaltung

Die Voliere


Im Idealfall besteht die Möglichkeit einer kleinen Gruppenhaltung, mindestens jedoch einer Paarhaltung in einer sehr großen Außenvoliere, die auch das Fliegen ermöglicht. Wer seine Papageien ausschließlich in einer Voliere hält, sollte auf die absoluten Mindestmaße von 5 m Länge x 5 m Breite x 3 m Höhe achten. Je größer, desto besser! Steht keine geeignete Voliere zur Verfügung, sollten den Papageien ganztags Freiflug in einer geräumigen Wohnung gewährt oder ein ganzes Papageienzimmer eingerichtet werden. Wird der Käfig nur für nächtliche Ruhezeiten genutzt, darf er auch etwas kleiner sein. Als Mindestmaße gelten hier 2 m Länge, 1 m Breite und 2 m Höhe. Die Gitterstäbe sollten Querstreben oder besser viereckig angelegt sein, damit an ihnen geklettert werden kann. Es sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass sie aus Edelstahl bestehen und nicht verzinkt sind. Da jeder Papagei gerne knabbert und seinen kräftigen Schnabel zum Klettern nutzt, sind bereits viele Vögel an Zink- bzw. Aluminiumvergiftungen verendet. Der Standort der Voliere sollte möglichst hell, aber aufgrund der Gefahr eines Hitzschlags, nicht in der vollen Sonne stehen. Ist die Voliere sehr groß, ist es auch möglich, sie halbschattig zu platzieren.

Empfehlung :

Die Vogellampe

Ganz besonders wichtig ist eine sogenannte Vogellampe. Das sind besondere Lampen, welche das Sonnenlicht imitieren und UVB-Strahlung abgeben. Das Wohlbefinden eines Papageis hängt maßgeblich vom Sonnenlicht ab. In der Natur bewegen sich die Vögel ganztägig unter der heißen Äquatorsonne Zentralafrikas. Durch Sonnenstrahlen wird, wie beim Menschen auch, Vitamin D gebildet, ein Hormon, welches an tausenden von Vorgängen im Körper beteiligt ist. Fehlt es, kann es zu verschiedensten Erkrankungen des Knochenapparates, des Immunsystems und auch der Psyche kommen. Zudem sind Vögel im Gegensatz zum Menschen in er Lage, ultraviolette Farben mit Hilfe von ultraviolettem Licht zu sehen. Fensterscheiben filtern UVB Strahlung heraus. Auch in Außenhaltung sollten die Vögel in nördlichen Breitengraden nicht auf eine Vogellampe verzichten müssen. Idealerweise wird eine Zeitschaltuhr im 12-Stunden-Rhythmus eingestellt.

Die Einrichtung des Papageienheims

Volieren und Käfige, wie auch Papageienzimmer, sollten mit vielen Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeiten ausgestattet werden. Am besten wird eine kleine Waldlandschaft aus dicken Stämmen und Ästen nachgebaut, auf denen geklettert und der Schnabel gewetzt werden kann. Auch große Schaukeln, Leitern und bunte Spielzeuge sind beliebt. In freier Natur nutzen Graupapageien Bademöglichkeiten, um ihr Gefieder ausgiebig zu waschen und zu spielen. Es sollte eine entsprechend große, aber nicht allzu tiefe Bademöglichkeit zur Verfügung gestellt werden. Auch Intelligenzspielzeuge sind beliebt, in denen besondere Leckerchen versteckt werden. Sie sind eine wunderbare Beschäftigungsmöglichkeit für die intelligenten Vögel.

Selbstverständlich sollten auch Futter und Wassernapf rund um die Uhr zur Verfügung stehen und täglich gereinigt werden. Die gesamte Voliere inkl. aller Stangen und Äste sollte mindestens einmal wöchentlich grundgereinigt werden. Dabei genügt heißes Wasser zur Desinfektion. Scharfe Putzmittel können zu Allergien und Atemwegserkrankungen führen.

Die Fütterung

Das Grundfutter besteht aus einer Körner-Nuss-Mischung und beinhaltet Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Hirse und verschiedene Nüsse. Auch getrocknete oder frische Knospen, Blüten, frisches Keimfutter und Gräsersamen gehören dazu. Frisches Obst und Gemüse sollten täglich auf dem Speiseplan stehen. Da Obst wie Bananen, Äpfel, Erdbeeren oder Kirschen sehr viel Zucker enthält, sollte es eher in Maßen gefüttert werden. Gemüse wie Salat, Kräuter, frische Gräser, Gurke, Möhren oder Maiskolben hingegen, sind ebenso beliebt und ganz besonders gesund. In der Natur fressen Graupapageien auch Erde, um ihren Mineralstoffhaushalt zu decken. Ein Mineralstein für Vögel, wie es ihn im Tierfachhandel zu kaufen gibt, ist daher zu empfehlen.

Erziehung und Beschäftigung des Graupapageis

Graupapageien besitzen aufgrund ihres kräftigen Schnabels ein ungeheures Zerstörungspotential. Um ein problemloses Zusammenleben zu ermöglichen, müssen sie unbedingt erzogen werden. Mit Hilfe von bestimmten Kommandos wie einem strengen "NEIN" und lobenden Worten wie einem euphorischen "PRIMA", gefolgt von einem Leckerchen, lernen sie, was sie dürfen und was ihnen untersagt ist. Auch auf das Clickertraining sprechen Papageien gut an. Erst wenn eine gewisse Grunderziehung und ein gutes Vertrauensverhältnis besteht, können den begabten Vögeln Tricks beigebracht werden. Das Sprechen lernen einige sprachbegabte Tiere ganz von alleine. Wird ihnen häufig vorgesungen oder Worte wiederholt, imitieren sie die Geräusche. Nicht jeder Vogel ist sprachbegabt und auch in Einzelhaltung sprechen Graupapageien nicht häufiger als in Gemeinschaftshaltung. Jeder Papagei sollte für den Notfall, wie etwa einem Tierarztbesuch, bestimmte Dinge können. Spielerisch in die Transportbox steigen, ein Medikament in Wasser oder Brei aufnehmen und sich mit einem Handschuh überall anfassen lassen, gehören dazu. Eine konsequente Erziehung und die regelmäßige Beschäftigung fürs Papageienköpfchen sollten auf dem täglichen Programm stehen um ein Zusammenleben möglich zu machen und für die sehr wichtige geistige Auslastung zu sorgen.

Gefahren im Alltag

Die größte Gefahr geht von giftigen Pflanzen aus. Da Papageien sehr gerne nagen, müssen Pflanzen wie zum Beispiel Zimmerfarne, Alpenveilchen, Oleander, Azaleen, Erika, Hyazinthen und Weihnachtssterne entfernt werden. Eine sehr gut geeignete, ungiftige, anspruchslose und robuste Pflanze, welche auch einmal ausgiebig gerupft werden darf, ist die Grünlilie. Auch andere Haustiere können schnell zur Gefahr werden oder sich in Gefahr begeben. Auch wenn alle Haustiere mit einander vertraut sind, sollten weder Hund, Katze noch Maus unbeaufsichtigt mit einem Graupapagei interagieren. Viele Vögel erkennen Scheiben nicht als solche und fliegen ungebremst davor. Häufig endet so ein Crash mit einem Genickbruch. Fensterscheiben sollten entweder mit Gardinen behangen oder mit Abziehbildern beklebt werden.

Krankheiten

In guter Haltung sind Krankheiten eher unwahrscheinlich. Dennoch sollten Verhaltensänderungen oder Auffälligkeiten immer einem auf Vögel spezialisierten Tierarzt vorgestellt werden. Viel häufiger als körperliche- sind psychische Erkrankungen in Gefangenschaft. Die grauen Vögel geben naturgemäß ohrenbetäubende Schreie von sich. Auf diese Weise kommunizieren sie in der Natur. Je unzufriedener sie sind, desto lauter und anhaltender wird geschrien. Die empfindlichen Ohren der Nachbarschaft sollten auf jeden Fall in die Kaufentscheidung mit einfließen. Auch der kräftige Schnabel eines wütenden Grauen hat so manchen Halter bereits ins Krankenhaus befördert. Ein ganz besonders häufiges Zeugnis einer schlechten Haltung ist das Rupfen. Selbstverletzendes Verhalten wie sich selbst die eignen Federn auszureißen, ist direkt auf die Haltung in Gefangenschaft zurückzuführen. Bei Wildvögeln wurde so ein Verhalten bisher nicht beobachtet. Es ist unbedingt anzuraten, seinen Tieren ein bestmögliches Leben zu schenken. Nur dann können die "Nebenwirkungen" einer Haltung in Gefangenschaft auf ein Minimum reduziert werden.



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